Chronik des Felsenkellers

Felsenkeller - ein Stück vom alten Holzminden

Der Gründer des Felsenkellers, Carl Koch, war aus dem kurhessischen Bierstein nach Holzminden gekommen um als städtischer Braumeister auf dem Marktplatz des Ackerbürger-Städtchens seines Amtes zu walten, und der Bevölkerung, erstmals mit kräftigem Lagerbier, neue Freude zu bereiten. Diese Stadt war bereits durch ihr Gymnasium (1760) und die in den Anfängen ihrer späteren Berühmtheit stehende Bauschule (1831) über die engeren Grenzen hinweg bekannt geworden. Als der Pachtvertrag ablief, sicherlich mit dem Abriss des städtischen Brauhauses auf der Ostseite des Marktplatzes, baute sich (1848) Carl Koch einen Kühlkeller mit Bierausschank in die Weserkiesterrasse am Steilhang des Katernsteines, und hieraus entstand, abseits der biedermeierlichen Kleinstadt, aus der nur ein Fahrwerg in die weite Feldmark führte, ein neues Gebilde über dem Hohen Weg und Katernstein.





Aus der vorgeschichtlichen Urlandschaft wuchs hier mit Hacke, Schippe und Schiebekarre ein neuer Terrassenhang. Die Stützwände wurden- wie noch heute zu sehen- aus den felsigen Kieskonglomeraten mühsam aufgeschichtet und der Boden planiert. Über dem, an dem Feldweg liegenden Bierkeller, befand sich ein Pavillon umgeben von vielen Laub- und Obstbäumen, die zweite Stufe, über eine lange Sandsteintreppe erreichbar, gab den Platz für die Gastwirtschaft mit großem Kaffee- und Biergarten und die dritte Stufe, durch ein Treppenhaus und steilen Fußweg erreichbar, bildete die- wie damals üblich offene Kegelbahn, deren Kugelrollen und Kegelfallen donnergrollend und holzkrachend weithin über das riesige Bahnhofsgebiet bis zu den Teichanlagen täglich zu hören war.

In dieser Zeit war inzwischen die Braunschweigische Staatsbahn von Kreiensen (1865) fertiggestellt. Holzminden wurde wichtigste Endstation und mit den Verbindungsstrecken nach Westen Mittelpunkt zwischen Berlin und Aachen als Post- und Lokwechsel. Gerade auch durch den Bau der Eisenbahn begann eine neue Blütephase auf dem Felsenkeller, gefördert durch das Eisenbahnerviertel "am Berge", durch das Gymnasialkollegium, durch Bauschulkorperationen und Landsmannschaften, die älteste ist seit 1867 im Hause, durch die Vielfalt der sich wandelnden Ackerbürgerstadt mit Kegelvereinen und Kartenclubs, mit Liedertafel und Kaffeekränzchen aller Art.

Familiengeschichtlich war dies die große Zeit von "Mutter Koch", sie war seit 1858 Witwe und ihr Sohn Carl II. musste noch im Jugendalter das Handwerk lernen, so dass er fast ein halbes Jahrhundert der Schankwirtschaft vorstand. Er starb im Jahre 1917 und wurde als "Schank Koch" ein Stück des Felsenkellers.





Bedingt durch die Beliebtheit des Hauses wurde der Ausbau des Gaststättenbetriebes erforderlich. In den Jahren 1885 und 1889 wurde dies vollzogen. Der erste Weltkrieg brachte Sorgen, aber keinen Untergang. Das Quietschen der Kinderschaukel, eines an Eisengestängen aufgehängten riesigen Holzkastens mischte sich mit Kaffeemusik von Klavier und Geige aus der offenen Veranda und dem Donnern der Kegelbahn nach wie vor.

In die Familie Koch war jedoch eine große Lücke gerissen worden. Der zum Nachfolger bestimmte Lutz Koch war nicht aus dem Kriege zurückgekehrt. An seine Stelle trat nun die dritte Generation mit Paul Koch. Unter seiner Führung wurden die Jahre zwischen den beiden Weltkriegen überstanden. Im zweiten Weltkrieg wurde aus dem Felsenkeller ein Luftschutzbunker. Danach begann die 4. Generation mit Tochter Elisabeth und Ehemann Fritz Weid. Das war zum 100sten Geburtstag im Jahre 1948. Mit dieser Ehe begann auf dem Felsenkeller eine neue Ära. Sie fing mit Null an, aber mit Fleiß und Umsicht wurde umgebaut, erweitert und erneuert. Die Küche wurde mehrfach umgebaut, der Saal vergrößert, weitere Kegelbahnen gebaut, die kaum noch genutzte Riesentreppe abgetragen und durch einen geteerten Fußweg ersetzt. Der Parkplatz wurde vergrößert. So wurde der Felsenkeller neuer Anziehungspunkt für die Holzmindener und die Bewohner aus den umliegenden Ortschaften. 4 studentische Verbindungen, über 50 Kegelvereine, viele Verbände aus Handel, Handwerk und Industrie sind hier heimisch. Der Kaffee- und Biergarten wurde erweitert und bietet nach wie vor einen herrlichen Ausblick über Stadt und Land. So ist der Felsenkeller heute und so besteht er schon lange.

Im Jahre 1977 wurde erneut ein Generationswechsel vollzogen. Nun bewirten die 5. Generation mit Carl-Friedrich Weid und Ehefrau Gisela die Gäste. Auch in dieser Zeit wurde viel investiert, der Saal, die Veranda, die Theke, die Küche und die Terrasse wurden umgebaut und neu gestaltet und in der Gaststube ein Kachelofen eingebaut. Mit einer von modernster Technik geprägten Küche wurde eine weitere Entwicklung zum modernen Speiselokal vollzogen. Hier finden auch weiterhin Familien-, Vereins- und Betriebsfeste statt. Modern ausgestattete Räume stehen in verschiedenen Größen zur Verfügung.

Mittlerweile sorgt bereits Sohn Heiko, als 6. Generation, für die Gaumenfreuden in der Küche. Kartoffelbraten mit Matjes und verschiedenen Kartoffelarten, Grünkohlessen,Wild- und Gänsespezialitäten gehören ebenso dazu wie stilvolle Hochzeitsmenüs und kalt- warme rustikale und erlesene Büfetts.

Trotz aller Neuerungen ist der Felsenkeller ein Stück vom alten Holzminden geblieben, eine Familien- und Vereinsgaststätte, für groß und klein - und so soll er bleiben, wie seit mehr als 150 Jahre!
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